Möchte man ein Haustier adoptieren, geht man in das städtische Tierheim und sieht sich dort um. Bei einem Kind wendet man sich an ein Waisenhaus (und darf sich vorher mit sehr viel Bürokratie herumschlagen.)
Aber auch Bücher kann man adoptieren, nämlich in einem Antiquariat. Hier landen all die Wälzer und schmalen Hefte, die neueren Romanen aus dem Bücherregal weichen mussten, bereits Jahre auf dem Dachboden verbracht haben, oder weitervererbt und gleich darauf weggegeben wurden. Möglicherweise wurden sie von ihren ehemaligen Besitzern auch nie so geliebt, wie sie es vielleicht verdient hätten. (Wobei an mit einigen Büchern wohl tatsächlich nur den Kamin füttern kann – unser Dachboden ist deshalb so voll, weil wir keinen haben.)
Manchen von ihnen sieht man das Alter an, andere sind mit Flecken und Knicken lädiert. Dennoch ist das Antiquariat für mich genauso ein Paradies wie die Bücherei und noch mehr als ein Buchladen – gerade weil Bücher nicht nur bis zur Decke in den Regalen stehen, sondern die Neuankömmlinge erst einmal an der Wand hinaufgestapelt werden – so hoch es eben geht.
Ein Besuch im Antiquariat kann sogar etwas abenteuerlich sein. Es ist nicht so einfach, das unterste Buch aus einem 1,50 Meter hohen Stapel hervorzuziehen!
Es gibt sogar Autoren, deren Worte mich mehr berühren, wenn aus dem Buch so ein leichter Geruch nach Geschichte aufsteigt. So schön frisch gedruckte Bücher auch riechen, zu einigen Büchern passt es einfach nicht. Es wäre zum Beispiel ein merkwürdiges Gefühl für mich, Kurt Tucholskys Worte auf völlig weißen Seiten zu sehen…Vergilbte, zerbrechlich gewordene Seiten können bei entsprechendem Inhalt nämlich sehr ästhetisch sein.
Oder was denkt ihr?
© Foto “inviting…”: chelseagirl. Some rights reserved. Quelle: www.piqs.de



3 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
19. Februar 2010 um 23:01
Frank Benedikt
Sehr schöne Idee!
Und Du magst Tucho? Da habe ich zur Zeit was in Arbeit … Kennst Du auch schon das Sudelblog? [http://www.sudelblog.de/] Dort gibt es auch weitere gute Adressen zu K.T.
Herzliche Grüße
Frank
22. Februar 2010 um 20:39
nachanca
Vom Sudelblog habe ich schon einmal gehört…muss dann aber irgendwie darüber hinweggekommen sein. Ja, ich bin sozusage ein Tucholsky-Fan.
Sag Bescheid, wenn du deinen Artikel über ihn – oder was auch immer du da genau vorhast, fertig hast.
Die “Danksagung” an unseren werten Vizekanzler hat mir übrigens gefallen. ;)
22. Februar 2010 um 22:29
Frank Benedikt
Mach ich gerne. Ich wollte bloß nicht vor Fertigstellung öffentlich machen, was ich da eigentlich in der Mache habe ;-) Bei Interesse maile ich Dir aber gerne, worum es geht.
Freut mich, daß es Dir gefallen hat. Gleich im Anschluß an diese reply schreibe ich erneut was Kleines zu unser aller Guy d’Eau und hoffe, es gefällt eben falls :-)
Eigentlich kann ich ihn ja nicht mehr sehen und auch schon so gar nichts von ihm mehr hören und die KollegInnen schreiben sich ja auch schon die Finger wund, aber nur einmal noch … *lol*
Herzliche Grüße
Der “Nachbar”