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Abgesehen von meinen beiden Katzen habe ich ein kleines, biestiges Haustier, das sich Innerer Editor nennt. Je nach Situation nimmt es verschiedene Gestalten an, am Liebsten ist ihm allerdings die Form einer Ratte oder eines kleinen Frettchens, das auf meiner Schulter sitzt – in der besten Position, um mir ins Ohr zu beißen. Dieses Biest ist der Meinung, dass meine Charaktere flach, mein Stil langweilig, meine Ideen nicht annähernd originell genug sind und dass ich es ohnehin nie fertig bringen werde, unter einen Roman das Wort Ende zu schreiben. (Mitschuld an Letzterem wird bestritten.)

Sehr gerne arbeitet dieses Wesen zusammen mit meinem Schweinehund, der es sich neben meiner Tastatur breit macht und dafür sorgt, dass ich lieber noch ein 18. Mal die Mailbox checke, anstatt das Word-Dokument für meinen Roman aufzurufen. Und wenn ich mich beschweren will, schiebt er mir einen Keks in den Mund. Oder er schaut mich mit seinen dunklen, treuen Hundeaugen an.

Das Frettchen und der Hund sind ein eingespieltes Team.

Heute Abend allerdings werde ich eine Spur von Leckerlis bis in die Küche legen und dann die Tür zumachen. Und mir dann die Kopfhörer in die Ohren stopfen. Kratzt ihr an der Tür? – Tut mir Leid, ich hör nix!

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An diesem Punkt scheiden sich häufig die Geister von Autoren oder solchen, die es werden wollen. Die einen schreiben überhaupt nicht, ohne sich vorher die Kopfhörer in die Lauscher zu stecken und die Musik ihrer Wahl aufzudrehen: Von beruhigendem Bach über Pop bis hin zu Heavy Metal ist da alles vertreten.

Häufig werden die Lieder auch nach der Stimmung in der jeweiligen Szene ausgewählt und sollen dadurch zusätzlich inspirieren. Mancher legt sich im Media Player extra Wiedergabelisten an: Musik für nachdenkliche Szene, Musik für traurige Szenen, Musik für gescheiterte Beziehungen, Musik für frisch Verliebte, … schließlich möchte man die gerade freigeschaufelte Zeit nicht damit verbringen, nach der passenden Musik zu suchen.

Das Lager der Still-Schreiber wendet dagegen häufig ein, man würde sich zu sehr von der Musik beeinflussen lassen, anstatt auf die eigene Kreativität zu vertrauen. Inspiration aus der Dose sozusagen. Sie bevorzugen die Stille, um die Worte fließen zu lassen.

Ich selbst kann mich nicht so recht in die ein oder andere Fraktion einordnen. Da ich beim Schreiben häufig im Wohnzimmer sitze, und sich meine Eltern dort unterhalten und der Fernseher läuft, höre ich dann beim Schreiben oft Musik. Spezielle Wiedergabelisten habe ich nicht, aber ich wähle immer englische Lieder, deren Texte ich nicht kenne, um nicht davon abgelenkt zu werden. Beim Schreiben blende ich dann ohnehin alle Geräusche aus. Meist kann ich mich hinterher nicht mal mehr erinnern, welche Lieder liefen. Die Musik dient eher dazu, dass ich nicht abgelenkt werde. Das Ganze verschwimmt sozusagen zu einem Geräusch-Einheitsbrei, der mich nicht weiter stört.

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass ich mich auch in einen ruhigen Raum zurückziehen könnte. Besonders wenn ich etwas Neues anfange und mich das weiße Blatt so einschüchtert, finde ich es aber wesentlich einfacher, unter scheinbar ungünstigen Bedingungen anzufangen. Wenn ich mir alles sorgfältig vorbereite, habe ich manchmal zu hohe Erwartungen an das, was ich schreibe, und lösche und überabeite ständig…besonders bei Wettbewerben wie dem Nanowrimo ist so etwas seehr ungünstig.

Bei Kurzgeschichten allerdings, wo man beim Schreiben oft schon stärker auf die Formulierungen achtet, habe ich es auch gern mal ganz still. Besonders, wenn die Handlung noch nicht so genau geplant ist. Da ist Konzentration angesagt.

Musik geht auf jeden Fall nur mit anderen Hintergrundgeräuschen, damit sie mich nicht zu sehr ablenkt. Ansonsten mache ich sie lieber aus…

Also: Musik, solange man sie nicht verstehen kann. Ist das nun merkwürdig?

Und wie sieht es bei den anderen Schreiberlingen aus?

Falls sich jemand tatsächlich gefragt hat, ob ich den Nanowrimo geschafft habe – ja, habe ich.

Der Beweis.

Letztes Jahr war ich – ob unverständlich oder nicht – ziemlich am Boden zerstört, als es vorbei war. Dabei hatte ich auch da die 50.000 Wörter geschafft. Aber am 1. Dezember sitzt man dann herum und weiß plötzlich nichts mit der überschüssigen Zeit anzufangen…

Dieses Jahr habe ich mich zum Glück gleich danach auf ein Referat über den spanischen Künstler Antoni Tàpies stürzen müssen, somit war nicht so viel Zeit zum Durchhängen.

Und es gibt schließlich auch nächstes Jahr einen Nanowrimo – und wenn nicht die Sintflut kommt, bin ich wieder dabei!

Auf dem Schriftsteller-werden-Blog findet derzeit parallel zum Nanowrimo noch eine andere Art von Wettbewerb statt: Nach jeder vergangenen Woche sollen die Teilnehmer des Schreibwerkstatt-Word-Wars einen Bericht darüber schreiben, wie es im Moment bei ihnen läuft, was sie bis jetzt gelernt haben usw. Natürlich habe ich den Einsendeschluss für den dieswöchentlichen Bericht verpennt, aber ich bin trotzdem mal so frei, auf die vorgegebenen Fragen zu antworten.

a) Was hast du bisher schon geschafft?

Mein derzeitiger Wordcount liegt bei circa 11.000 Wörtern. Das heißt, dass ich heute Abend noch einiges schreiben muss, um mein Tagessoll zu erreichen, aber das dürfte nicht zu schwer sein. Meine wichtigsten Protagonisten haben sich endlich getroffen und ich weiß in etwa, wie es die nächsten Tage weitergehen soll – es könnte schlimmer sein!

Ich stelle jedoch fest, dass es immer noch schwierig ist, sich wirklich jeden Tag aufzuraffen.

b) Was hast du für die nächste Woche vor?

Ich werde versuchen, täglich mein Tagessoll zu erreichen und am Ende der Woche bei über 23.000 Wörtern zu sein. Es darf auch ruhig ein bisschen mehr sein! ;) Ich werde die Geschichte vorantreiben und versuchen, noch mehr Spannung und Action reinzubringen.

c) Wie läuft es so, macht es dir noch Spaß?

Ja, eigentlich schon. Auch wenn es neben dem Schulalltag inklusive Klausuren manchmal doch recht stressig ist. Und manchmal sehe ich doch ziemlich dagegen an, mich noch an meinen Roman zu setzen. Aber die Zeiten, wenn es mal wirklich gut läuft, entlohnen dafür! :)

d) Welche Tipps hast du für andere Teilnehmer?

Nun, ob es ihnen genauso gut hilft wie mir, ist schwer zu sagen. Ich erkläre trotzdem mal, was für mich funktioniert:

1. Früh genug anfangen. Je länger man es herauszögert, desto schlimmer wird es!

2. Nicht ablenken lassen. Notfalls das Kabel für den Internetzugang ziehen oder den W-LAN-Router ausschalten!

3. Ein kleiner Trick für mich, um ein bisschen mehr als das Tagessoll zu schreiben: Anstatt alle bisher geschriebenen Wörter zu zählen, teilt man das täglich geschriebene in Abschnitte, deren Wörter man zählt und dann abrundet. Somit schreibt man letztendlich immer ein bisschen mehr. :)

e) Was wirst du nächstes Jahr besser machen?

Ähm…das kann ich jetzt eigentlich noch nicht sagen. Bis jetzt läuft es ganz gut – ach doch, eines! Im Oktober die Dinge erledigen, die man sonst im November machen müsste! (Ich sage nur: Referat…)

f) Was ist anders im Vergleich zum letzten Mal?

Ich habe das Gefühl, dass ich diesmal weniger rumlabere und stattdessen die Geschichte besser vorantreibe. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass dieser Roman mit 50.000 Wörtern zumindest ansatzweise beendet ist!

Soviel zu mir. Und wie läuft es bei euch?

Ja, ich gebe zu, ich gerate in Panik. Ich habe furchtbar viel zu tun, Samstag feiere ich meinen Geburtstag, Sonntag den einer Freundin und am Montag schreibe ich eine Matheklausur über Vektorenrechnung (und dieses Thema ist nicht gerade mein großer Freund.) Trotzdem muss ich am ersten November die ersten 1.667 Wörter raushauen. (Wer sich jetzt fragt, warum, der lese bitte hier nach. ;))

Es ist geradezu paradox: Letztes Jahr wusste ich überhaupt nicht, was mich erwartet und entschloss, aufgrund eines Artikels eines anderen Blogs, sehr kurzfristig teilzunehmen. Damals hatte ich sogar mehr Unterricht als jetzt. Trotzdem war ich total euphorisch.

Dieses Jahr weiß ich, dass die 50.000 Wörter im Monat zu schaffen sind, und bin trotzdem viel nervöser. Vielleicht, weil es jetzt nicht so leicht zu erklären wäre, wenn ich doch verlöre (bin schließlich kein Anfänger mehr)…?

Egal. Tiieef durchatmen. Nur keine Panik. Schließlich soll das ganze Spaß machen, sonst kann man es gleich lassen. Und auf in die Vorbereitungen! (Ja, ich weiß, man soll nicht plotten, aber…ich konnte letztes Jahr schon nicht ohne Plot. Ein bisschen Sicherheit wird man sich ja wohl mal gönnen dürfen. )

PS: Wer ebenfalls am Nano teilnimmt, mag ja vielleicht mal in der Schreibwerkstatt vorbeischauen…zusammen schreibt es sich immer viel besser als allein! ;)  Wir sind bereits 63 Schreiberlinge – letztes Jahr waren wir 27 und hatten eine Erfolgsquote von ca. 50%, was weit über der Quote aller Nano-Mitglieder liegt (Ca. 15%). Es lohnt sich also!

"When you think you've seen it all...think again."
Dezember 2017
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